DGAP Wochendseminar

Gabe und Gesundheit

26.-28. Juni 2026 im Augustinerkloster Erfurt

Tagungsgebühr 250,00 Euro für DGAP-Mitglieder, 90,00 Euro für Aus- und Weiterbildungskandidat/Innen und 300,00 Euro für Gäste
(inkl. Kaffeepausen und Mittagessen am Samstag und Sonntag)

 

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„Es existiert ein großer Bereich physischer und sozialer Infrastrukturen, die allesamt als Versorgungsnetze bezeichnet werden können, die dazu beitragen, dass möglichst viele Bürger inkludiert werden. Sie sind Ausdruck von ziviler Solidarität und von Werten gemeinschaftlichen Zuschnitts.“

aus Jean-Pierre Wils, Verzicht und Freiheit. Überlebensräume der Zukunft (2024, S. 226)

Das DGAP-Wochenendseminar wird sich mit ethischen, philosophischen und gesundheitspolitischen Herausforderungen des Gesundheitswesens beschäftigen. Im Angesicht allgegenwärtiger Ressourcenknappheiten und der Frage, was in einer „endlichen Welt zukunftstauglich ist“ (Wils, 2024, S. 224) tendieren gesundheitspolitische Strategien zur Privatisierung von Kollektivgütern und folgen dem allgemeinen Gebot der Effizienzsteigerung. Alternativ dazu wird Jean-Pierre Wils uns in das „Paradigma der Gabe“ einführen, welches als hochrelevant für alle zwischenmenschlichen Begegnungen und auch unsere Gesundheitskontexte anzusehen ist.<
Wie auch im letzten Jahr wird es in Absprache mit Herrn Wils einen Reader mit thematisch ausgesuchten Textstellen geben. Wir werden diesen zusammenstellen und im Vorfeld an Teilnehmer*innen des Seminars versenden. Weitere Informationen zum Wochenendseminar entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Flyer. Es gibt auch wieder die Möglichkeit im Augustinerkloster zu wohnen. Dortige Zimmer können in der Anmeldemaske reserviert werden; zu bezahlen sind diese von den Teilnehmerinnen vor Ort.

Preise 

Einzelzimmer 100,- Euro /Nacht inkl. Frühstück

Doppelzimmer 143,30 Euro /Nacht ink. Frühstück

Zum Ablauf

Mit dem Brückenschlag von Tiefenpsychologie und Philosophie steht das Wochenendseminar in der Tradition des langjährig von Elke Metzner, Martin Schimkus, Angelica Löwe und Roman Lesmeister geführten Arbeitskreises für Analytische Psychologie und Philosophie. Wir freuen uns daher auch, mit dem Augustinerkloster Erfurt wieder einen Ort gefunden zu haben, der etwas Bergendes wie Öffnendes für nachdenkliche Begegnungen beitragen kann. Es gibt Kapazitäten, während des Seminars auch vor Ort zu wohnen.

Von Freitagmittag bis Sonntagmittag möchten wir in insgesamt sechs Seminareinheiten (á 1,5 h) miteinander arbeiten. Es sind keine philosophischen Vorkenntnisse nötig. In einem der sechs Blöcke möchten wir über eine gemeinsame Leseerfahrung miteinander ins Gespräch kommen. Für den Samstagnachmittag planen wir nach Wetterlage einen Spaziergang oder eine kulturelle Aktitivität. Wir freuen uns auf diesen zweiten philosophischen Spaziergang mit Herrn Wils und Ihnen!

Dieter Treu
Vorsitzender der DGAP

Programm

Freitag, 26. Juni 2026

13.30-14.00 | Ankommen
14.00-15.30 | Vorstellungsrunde, Einleitung, Seminar (Teil 1)
15.30-16.00 | Kaffeepause (inkl.)
16.30-18.00 | Seminar (Teil 2)
ab 19.00 | Gemeinsames Abendessen (Selbstzahler)

Samstag, 27. Juni 2026

Frühstück (für Gäste des Klosters)
09.15-10.45 | Seminar (Teil 3)
10.45-11.15 | Kaffeepause (inkl.)
11.15-12.45 | Seminar (Teil 4)
13:00-14.30 | Mittagspause / Mittagessen (inkl.)
14.30-18.30 | Gemeinsamer Spaziergang oder Kulturangebot (in Planung)
ab 19.30 | Gemeinsames Abendessen (Selbstzahler)

Sonntag, 26. Juni 2026

Frühstück (für Gäste des Klosters)
// 09.15-10.45 | Seminar (Teil 5)
// 10.45-11.15 | Kaffeepause (inkl.)
// 11.15-12.45 | Seminar (Teil 6)
// 12.45-13.00 | Abschluss & Adieu
// 13.00-14.00 | Mittagessen (inkl.)

Das Thema

Der notwendig sparsamere Umgang mit Ressourcen und knappen Gütern erscheint nicht nur angesichts leerer Gesundheitskassen als unvermeidlich. Herr Wils beschreibt diese Selbstbeschränkung als die maximale Gegenwartsanforderung an uns alle so: „Wir müssen unseren Konsum der Welt begrenzen“ (Wils, 2024, S. 227). Die spezifisch gesundheitspolitischen Reaktionen auf dieses Spar- und Verzichtsgebot werfen jedoch Widersprüche auf. Zum einen sind tradierte zwischenmenschliche Praktiken im Umgang von Arzt und Patient (wie die direkte Begegnung, die Berührung und der Dialog) keine per se aufbrauchbaren „Rohstoffe.“ Im Format abrechenbarer Leistungen aber werden Begegnungs-qualitäten wie Stimme und Gesicht zu raren Gütern. Zum anderen haben Vertreter eines gesundheitsökonomisch-ingenieurwissenschaftlichen Unternehmertums besonders seit den Pandemiejahren Einzug in das Gesundheitswesen gehalten. Haben die mitgeführten Monstranzen des Fortschritts und der Effizienzsteigerung – Digitalisierung, Kundenorientierung und neuerdings KI – dem Gesundheitssystem bislang irgendeine Art von spürbarer Entlastung gebracht?
Alleine das Beispiel der in unseren ambulanten Praxen implementierten „Konnektoren“, welche nach nur kurzen Laufzeiten unter hohem Kostenaufwand ersetzt werden mussten macht anschaulich, dass die „markt-förmige Hand“ mit ihren Innovations- und Kostensenkungsversprechungen auf einer „Illusionspolitik“ beruht (vgl. Wils, 2024, S. 226.). Gebracht hat sie einigen wenigen den Zugang zu einem neuen Marktsegment. Die Mehrzahl der Akteure im Gesundheitswesen bleibt nun und auf absehbare Dauer an die neuen Konfigurationen und Formen einer – aus marktwirtschaftlicher Perspektive funktionalen – Dysfunktionalität und Technikabhängigkeit gebunden. Mit der Delegation des Sparzwangs an den Markt sind wir an die „Götter des Zeit-Geld-Schrotts“ (William Burroughs) geraten.
Jean-Pierre Wils hat sich in zahlreichen Publikationen mit philosophischen wie ethischen Herausforderungen des Gesundheitswesens beschäftigt. Er schreibt uns zum Seminarthema:
„Das Gesundheitswesen befindet sich in einer Dauerkrise, die nahezu ausschließlich in Kostenmodellen abgebildet wird. Die Finanznot scheint zu seiner Charakteristik geworden zu sein. Seine Kapitalisierung mutet wie ein Naturgesetz an, die Tendenz zur Privatisierung ist ungebrochen. Die Ökonomie der Gabe bietet ein alternatives Konzept an, das in jüngster Zeit immer mehr Aufmerksamkeit erhält. In diesem Zusammenhang wird das Nachdenken über Gesundheit und Krankheit zu einer fundamental-politischen Frage: Hat der ‚homo oeconomicus‘ endgültig gesiegt? Ist Gesundheit ein ‚privates‘ oder ein ‚öffentliches Gut‘? Sind eine ‚Politik der Freundschaft‘ und eine ‚Kultur der Gastlichkeit‘ möglich?“
Nicht zuletzt durch die Begriffe der Gabe und Allmende werden von unserem Referenten hier neue Perspektiven eröffnet. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen und Herrn Wils zu einem Thema der Stunde in den anregenden Gedankenaustausch und zu neuen Denkanreizen zu kommen.

Jean-Pierre Wils
Biographische Notiz

Prof.em. Jean-Pierre Wils studierte Philosophie und Theologie in Leuven/Belgien und Tübingen. Bis 2024 war er Ordinarius für Philosophische Ethik und Kulturphilosophie an der Radboud Universiteit Nijmengen (Niederlande). Mitglied im deutschen PEN. Seit 2021 fungiert er als Herausgeber der Scheidewege. Schriften für Skepsis und Kritik. Zu seinen zuletzt erschienenen Büchern zählen. Verzicht und Freiheit. Überlebensräume der Zukunft. (2024) sowie Enttäuschung und Vertrauen (Hg. 2025). Im Juni 2026 erscheint Gibt es noch Sinn, Hoffnung und Trost? Philosophie in bangen Tagen.

Tagungsort

Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt, Augustinerstraße 10, 99084 Erfurt

Tagungsgebühr (inkl. Kaffeepausen und Mittagessen am Samstag und Sonntag)

250,00 Euro für DGAP-Mitglieder
90,00 Euro für Aus- und Weiterbildungskandidat/Innen
300,00 Euro für Gäste

Stornierungsbedingungen

… bis zum 15. Mai 2026
Rückerstattung des Tagungsbeitrags abzüglich einer Bearbeitungsgebühr von 50,00 €.

… vom 16. Mai bis zum 5. Juni 2026
Rückerstattung von 50 % der Tagungsgebühr

… ab dem 06. Juni 2026
Keine Rückerstattung des Tagungsbeitrages mehr möglich!